Das Brustzentrum am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch beteiligte sich 2025 als einzige österreichische Klinik an einer globalen Studie, die Künstliche Intelligenz für schonendere Tumoroperationen nutzt.
In Vorarlberg entfallen 31 Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen bei Frauen auf Brustkrebs. Allein am Brustzentrum des Schwerpunktkrankenhauses Feldkirch erhielten im Jahr 2025 rund 165 Patientinnen diese Erstdiagnose. Doch die Heilungschancen steigen rasant, nicht zuletzt durch enorme Entwicklungssprünge in der modernen Medizin. Als einzige Einrichtung in ganz Österreich nahm die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Primar DDr. Burghard Abendstein an einer weltweiten Studie zu einer hochinnovativen, brusterhaltenden Operationsmethode teil. Das Ziel: den Tumorherd mithilfe eines KI-gestützten Programms exakt zu lokalisieren, um den Eingriff maximal schonend durchführen zu können.
Bei einer brusterhaltenden Operation steht das OP-Team vor einer komplexen Aufgabe. Der Tumor muss restlos entfernt werden, doch gleichzeitig gilt es, das umliegende gesunde Gewebe bestmöglich zu erhalten. Für die Operateur:innen bedeutet das, die Ränder im gesunden Gewebe so eng wie möglich zu fassen, um das entnommene Präparat auf ein Minimum zu reduzieren – und das ohne verbleibende bösartige Zellen.
Vom MRT-Bild zum 3D-Modell
Für Frauen mit einem nicht tastbaren Tumor bot die Studie einen völlig neuen Behandlungsansatz. Wurde nach Mammographie und Ultraschall ein Karzinom diagnostiziert, folgte rasch eine Magnetresonanztomographie (MRT) in Bauch- und Rückenlage. Die entstandenen MRT-Bilder übermittelte das Team an ein Referenzzentrum in Belgien. Dort übernahm ein AI-Visualizer die digitale Auswertung und berechnete ein exaktes Abbild des Tumors. Mit diesen Daten druckte ein spezieller 3D-Drucker ein physisches Brustmodell. In dieses Modell waren Drahtmarkierungen integriert, die das Zentrum des Tumors und die genauen Resektionsgrenzen auswiesen.
Exakte Navigation im OP-Saal
Im Operationssaal wurden die Markierungen des 3D-Modells direkt auf den Körper der Patientin übertragen. Laut Oberärztin Dr. Angelika Wolfrum, Leiterin des Brustzentrums, zeigte das Modell den Tumor exakt so, wie er sich in der MRT darstellte. Sogar Vorstufen, die auf dem Ultraschall unsichtbar bleiben, wurden erkannt und konnten entfernt werden. Diese gewonnene Präzision minimierte die Invasivität des Eingriffs drastisch. Das Vorbereiten und Arbeiten nach dem exakten Modell verhalf zu einer deutlich niedrigeren Entnahmerate von gesundem Gewebe und senkte so auch die Nachresektionsraten.
Globale Vorreiterrolle durch interdisziplinäres Teamwork
Bereits im Juni und August 2025 führte das Team des LKH Feldkirch die ersten beiden Eingriffe erfolgreich durch. Das Vorarlberger Brustzentrum reihte sich damit in ein globales Netzwerk von Spitzenuniversitäten ein – darunter Harvard, Heidelberg, Zürich und das MD Anderson Cancer Center der Universität Texas.
Diese Pionierarbeit war nur durch interdisziplinäre Exzellenz möglich. Neben der professionellen Studienkoordination haben die Teams der Radiologie und Pathologie sowie qualifizierte Study Nurses entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen.